V.l.n.r.: Katja Walterscheid, Redakteurin des Abseitz-Blättle, Muhterem Aras MdL, Landtagspräsidentin
und LebenSlauf- Schirmherrin, Franz Kibler, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Stuttgart, Kerstin Bosse,
Abseitz-Vorsitzende

V.l.n.r.: Katja Walterscheid, Redakteurin des Abseitz-Blättle, Muhterem Aras MdL, Landtagspräsidentin und LebenSlauf- Schirmherrin, Franz Kibler, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Stuttgart, Kerstin Bosse, Abseitz-Vorsitzende

„Vielfalt ist unsere Stärke“ – Interview zum 11. Stuttgarter LebenSlauf

Der 11. Stuttgarter LebenSlauf von Abseitz Stuttgart e.V. zu Gunsten der AIDS-Hilfe Stuttgart startet am Sonntag, den 10. September 2017 um 11 Uhr. Die diesjährige Schirmherrschaft hat die Stuttgarter Landtagsabgeordnete und Landtagspräsidentin Muhterem Aras übernommen. Dazu hat sie das Vereinsmagazin des Sportvereins in seiner 50. Ausgabe interviewt. Start und Ziel des Benefizlaufes ist auch 2017 wieder bei der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in Stuttgart-Ost. Es gibt eine 5 km- und eine 10 km-Strecke.

FRAU ARAS, WARUM HABEN SIE DIE SCHIRMHERRSCHAFT FÜR DEN LEBENSLAUF 2017 ÜBERNOMMEN?

Die AIDS-Hilfe Stuttgart ist für viele Menschen mit HIV/AIDS sowie deren An- und Zugehörige eine unersetzliche Unterstützung – als Selbsthilfeorganisation aber auch als Bildungseinrichtung und Begegnungsstätte. Dafür setze ich mich gerne ein.

WELCHE ZEICHEN SETZEN SIE DAMIT IN UNSEREM LAND?

Ich möchte ein Zeichen für Vielfalt setzen, denn ich bin froh, dass wir in einer so bunten und weltoffenen Gesellschaft leben. Damit das auch in Zukunft so bleibt, sind wir alle aufgefordert, diese offene Gesellschaft jeden Tag aufs Neue zu verteidigen und mit Leben zu füllen. Das heißt für mich, dass wir neugierig bleiben auf andere Lebenswelten, dass wir uns mit Respekt begegnen und Vielfalt als Bereicherung sehen. Schon unser Grundgesetz ist ja auf Pluralität ausgelegt. Darin sehe ich eine wesentliche Ursache, warum dieses Land so gut dasteht. Vielfalt ist unsere Stärke!

WAS, GLAUBEN SIE, KANN DIE SCHIRMHERRSCHAFT EINER PROMINENTEN PERSÖNLICHKEIT WIE DER LANDTAGSPRÄSIDENTIN IN DER ÖFFENTLICHKEIT BEWIRKEN?

Ich hoffe, mit meiner Schirmherrschaft auf die wertvolle Arbeit der AIDS-Hilfe Stuttgart und des Sportvereins Abseitz aufmerksam zu machen. Ich würde mich freuen, wenn wir mit der Benefizveranstaltung im September gemeinsam auch Leute erreichen, die bisher nichts vom LebenSlauf und seinen Anliegen gehört haben.

DER LEBENSLAUF IST EIN BENEFIZLAUF FÜR DIE AIDS-HILFE STUTTGART, ORGANISIERT VOM SPORTVEREIN ABSEITZ. WELCHEN STELLENWERT HAT DIE COMMUNITY AUS IHRER SICHT?

Eine Community hat aus meiner Sicht zwei Aufgaben: Einerseits bietet sie einen geschützten Raum, in dem sich Menschen frei austauschen können. Gleichzeitig wirken Communitys als Interessenvertretung, also auch nach außen und in die gesamte Gesellschaft hinein. Vereine wie Abseitz geben der Community Gesicht und Stimme für ihre Anliegen. Diese Anliegen zu verankern, gelingt am besten durch Begegnungen und Kennenlernen. Für gesellschaftlichen Zusammenhalt braucht es das. Die Lust auf Vielfalt genauso wie eine Atmosphäre des Respekts und der Anerkennung gibt es nur, wenn die Lebenswelten der Menschen immer wieder aufeinandertreffen. Der LebenSlauf ist ein Format, das ein solches „Aufeinandertreffen“ im besten Sinne ermöglicht.

HABEN FÜR SIE EVENTUELLE PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN VON DISKRIMINIERUNG EIN TIEFERES VERSTÄNDNIS FÜR DIE VIELFALT VON MENSCHEN ERMÖGLICHT?

Als ich 2016 in das Amt der Landtagspräsidentin gewählt worden bin, habe ich sehr viel Zustimmung erfahren. Ich bin nach wie vor froh und dankbar, dass es möglich ist, dass ich als erste Frau, Grüne Politikerin und Migrantin in dieses hohe Staatsamt gewählt wurde. Ich bin nach dieser Wahl aber auch wie nie zuvor angefeindet und beleidigt worden. Dadurch ist mir noch klarer geworden, dass wir eine gesellschaftliche Debatte über unsere Grundwerte anstoßen müssen. Der Landtag leistet dazu einen Beitrag über die Gesprächsreihe „Wertsachen“, in der es u.a. auch um Art. 3 GG und die Erfahrungen von Diskriminierung im Alltag geht. Denn die größte Gefahr für Vielfalt ist, wenn Menschen sich aus Furcht vor Nachteilen „anpassen“ und verbiegen.

DAS MOTTO DES DIESJÄHRIGEN CSD UND TITELTHEMA UNSERER AUSGABE NR. 50 HEISST „PERSPEKTIVWECHSEL“. ZU WELCHEM PERSPEKTIVWECHSEL HAT ABSEITZ UND DER LEBENSLAUF SIE VERFÜHRT?

Abseitz hat mich bestärkt! Die ersten Gespräche und Vorbereitungen zum LebenSlauf 2017 haben mir erneut verdeutlicht, dass Hass und Ausgrenzung sich nicht auf fremde Herkunft beschränken – auch wenn die Diskussion um Zuwanderung in Politik und Medien derzeit dominiert. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, die jeder Form von Diskriminierung entschieden entgegentritt. Deshalb freue ich mich sehr darauf, den diesjährigen Stuttgarter LebenSlauf als Schirmherrin zu begleiten und damit für eine vielfältige und bunte Gesellschaft zu werben.

Aus dem Vereinsblättle von Abseitz Stuttgart e.V.   (Nr. 50 – 07/2017, S. 42/43)

 

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