Opernführung & Opernsanierung

Das Thema #Opernsanierung wird in Stuttgart derzeit heiß diskutiert – im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie die Zukunft der Württembergischen Staatstheater aussehen soll.

Das Opernhaus ist nicht nur ein wichtiges Kulturgut für die Stuttgarter Stadtgesellschaft und die hiesige Kulturszene, sondern hat als weltweit größtes Drei-Sparten-Haus große Strahlkraft auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Rund eine halbe Million Menschen besuchen jährlich die Vorstellungen der Staatstheater StuttgartDas Stuttgarter Ballett hat Weltrang. Außerdem sind die Theater ein wichtiger Arbeitgeber, aber auch Ausbildungsbetrieb in der Region. Diese Bedeutung bringt eine Verantwortung mit sich, das sanierungsbedürftige Opernhaus zu erhalten. Denn wird nicht saniert, droht die Schließung der Oper. Die Kosten für die Sanierung belaufen sich dabei auf knapp eine Milliarde. Das ist natürlich viel Geld. Jedoch liegt damit eine Kostenberechnung vor, die das Bauvorhaben transparent und realistisch darstellt – Risikozuschläge und erwartbare Baukostensteigerungen inklusive – und damit bösen Überraschungen vorbeugt.

Vor diesem Hintergrund habe ich als Stuttgarter Abgeordnete am vergangenen Sonntag eine Opernführung veranstaltet, um sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen, die Räumlichkeiten zu besichtigen und über offene Fragen ins Gespräch zu kommen. Ich war begeistert über das große Interesse, dass für mich zeigt, wie engagiert sich die Stuttgarterinnen und Stuttgarter um ihre Stadt kümmern.

Bei dieser Führung wurde auch die teilweise suboptimale Arbeitssituation der 1.400 Mitarbeiter*innen deutlich – insbesondere die Arbeitsplätze in den Werkstätten sowie im Bühnen- und Orchesterbereich. Zu enge, fensterlose Räume, Risse in den Wänden, etc.: eine Arbeitssituation, die heute nicht mehr genehmigt werden würde, sondern nur aufgrund des Bestandtschutzes noch geduldet wird. Hinzu kommt die veraltete Bühnen- und Haustechnik aus den 1980er Jahren, die einen reibungslosen Ablauf der Proben und Vorführungen nicht mehr möglich macht. Die letzte Sanierung war im Wesentlichen eine Rekonstruktion des Zuschauerraums nach den Originalplänen von Max Littmann und liegt inzwischen 35 Jahre zurück. Wer sich mit der Opernsanierung auseinandersetzt, dem würde ich deshalb eine solche Führung auf jeden Fall ans Herz legen; auch die Oper selbst bietet immer wieder Führungen an.

Weil das Thema der Opernsanierung aber ja uns alle als Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt betrifft, finde ich es wichtig, dass die wesentlichen Informationen zur Opernsanierung auch für alle zugänglich bereitstehen und sich ein jeder und eine jede eine eigene Meinung bilden kann. Deshalb habe ich die Antworten auf die meist gestellten Fragen zur Opernsanierung im Folgenden zusammengefasst. Falls Sie weitere Fragen haben, zögern Sie nicht, mein Büro zu kontaktieren – ganz einfach telefonisch unter 0711 / 2063 661 oder per Mail unter muhterem.aras@gruene.landtag-bw.de!


  • 1) Warum sind die Kosten für die Sanierung so hoch?

Eine Milliarde Euro ist natürlich ein beachtlicher Betrag. Bei einem großen Projekt wie der Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater ist es dem Land wichtig realistische Kalkulationen nach einer gründlichen Planung zu veröffentlichen. Aufgrund dieser transparenten und ehrlichen Kostenaufstellung ergibt sich am Ende der viel besprochene Betrag von einer Milliarde Euro. Damit Sie sich selbst ein Bild von der entstehenden Kostenverteilung machen können, habe ich die Teilsummen im Folgenden grob für Sie aufgeschlüsselt:

                    260 Millionen Euro – Modernisierung der Bühnentechnik

200 Millionen Euro – Neubau des Kulissengebäudes

  90 Millionen Euro – Umstrukturierung und Öffnung bestehender Gebäude

                    = rund 550 Millionen Euro Fixkosten


zusätzlich

165 Millionen Euro – Unwägbarkeiten (Die Planungen stehen am Anfang, es gibt bisher eine Machbarkeitsstudie, aber noch keinen konkreten Entwurf, bspw. für das Kulissengebäude mit den Werkstätten. Unabhängig von einem konkreten Entwurf bestehen bei der Logistik auf der Baustelle, im Untergrund oder beim Denkmalschutz, Planungs- und somit Kostenrisiken. Deshalb haben die Fachleute des Landes vorgesorgt und diese potenziellen Unwägbarkeiten bei der Planung entsprechend berücksichtigt.)

243 Millionen Euro – Laufzeit der Bauarbeiten beträgt rund zehn Jahre, währenddessen werden die Kosten für Baumaterialien und Arbeit sich weiter erhöhen. Jedes Jahr Warten, in dem nicht mit der Sanierung begonnen wird, kostet auf Basis der Machbarkeitsstudie rund 30 Millionen Euro zusätzlich.

= insgesamt 960 Millionen Euro wenn die Planung 2020 fortgeführt wird


zusätzlich

85,4 Millionen Euro – Interimsoper, damit ein Betrieb während der Bauzeit möglich ist und es auch für die 1.400 Arbeitsplätze eine Übergangslösung gibt.

84,1 Millionen Euro – Außerdem errichtet die Stadt zwei Gebäude, die nach Nutzung für die Interimsoper dauerhaft erhalten und genutzt werden.

= Gesamtpaket von rund 1 Milliarde Euro

– die gleichermaßen vom Land BW und der Stadt Stuttgart bezahlt werden.


  • 2) Warum baut man kein neues Opernhaus?

Diese Option wurde von den Trägern, der Bauverwaltung und den Württembergischen Staatstheatern intensiv diskutiert. Im Endeffekt muss man allerdings sagen: Tatsächlich wäre ein Neubau teurer. Nach ausführlichen Kalkulationen wäre in der Summe mit Kosten von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro zu rechnen. Darin enthalten sind nicht die zusätzlichen Kosten für den fortwährenden Unterhalt einer zweiten Spielstätte, die Land und Stadt dann ebenfalls zu tragen hätten.


  • 3) Für wen wird Oper und Ballett gemacht?

Die Oper ermöglicht für alle einen Zugang zur Kultur – egal ob jung oder alt, arm oder reich. Jede Spielzeit besuchen rund 450.000 Menschen die Staatstheater mit Oper, Ballett und Schauspiel. Allein die Oper lädt zu über 300 Vorstellungen unterschiedlicher Formate ein. Neben dem bekannten Ballett und der Oper, gibt es auch Stücke und Programme für Kinder und Jugendliche. Karten für alle gibt es schon ab 8 Euro.


  • 4) Wann könnten die Bauarbeiten losgehen?

Zuerst müssen allerdings der Stuttgarter Gemeinderat und der Landtag den Plänen grundsätzlich zustimmen und Geld für einen Architekturwettbewerb und die darauf aufbauende Planung bereitstellen. Darüber soll im Frühjahr 2020 entschieden werden.

Wenn das Projekt von der Mehrheit angenommen wurde, können der Wettbewerb und danach die öffentliche Ausschreibung für die Interimsspielstätte an den Wagenhallen mit den zur Nachnutzung bestimmten Funktionsgebäuden erfolgen.

Für die Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater am Hauptstandort muss ein Wettbewerb vorbereitet und durchgeführt werden.

Voraussichtlich 2025 könnte der Umzug in die Ausweichspielstätte beginnen.


Ausführlichere Infos und weitere Fragen finden sich im FAQ der Staatsoper Stuttgart.

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