Zusammenhalt & Engagement in der Krise: Ein Besuch bei der Stuttgarter Tafel

In den letzten Wochen standen immer wieder Menschen an ihren Fenstern und Balkonen und applaudierten für diejenigen, die in der Krise an ganz unterschiedlichen Stellen weiterhin da sind und einen Beitrag dazu leisten, dass wir alle sicher und gesund durch die Krise kommen. Ganz besonders gebührt dieser Applaus auch allen, die sich für diejenigen einsetzen, die Hilfe am dringendsten brauchen und die jetzt unter erschwerten Bedingungen den Laden am Laufen halten – und das im Fall der Schwäbischen Tafel Stuttgart e.V. nicht nur im sprichwörtlichen Sinne.

Um mir ein Bild davon zu machen, wie die Tafel unter den erschwerten Bedingungen der Krise arbeitet, aber auch ganz einfach, wie es den Menschen vor Ort geht, habe ich in der Hauptstätterstraße 75 vorbeigeschaut und war beeindruckt, wie viel sprühendes Engagement und interessante Eindrücke ich von dort mitnehmen konnte.

Während viele Tafeln ihren Betrieb vorübergehend einstellen mussten – jede dritte Tafel in Baden-Württemberg war zwischenzeitlich geschlossen – konnte unsere Tafel mit allen Kräften das Angebot in Stuttgart aufrecht erhalten. Völlig klar ist dabei: Das geht nur, wenn alle zusammenhelfen. Und genauso habe ich das heute auch erlebt. Mit unkomplizierten und kreativen Lösungen hat die Tafel auf die Krise reagiert: Risikogruppen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurden heimgeschickt, die Öffnungszeiten wurden gekürzt und damit nicht zu viele Leute in und vor die Tafel kommen, sind abwechselnd nur Leute mit den Anfangsbuchstaben A – M bzw. N – Z an der Reihe und so wird täglich gewechselt, um die Hygiene- und Abstandsregeln gewährleisten zu können. Klebestreifen am Boden vor und in der Tafel weisen auf den notwendigen Mindestabstand hin, Menschen aus Risikogruppen können sich über den Seiteneingang individuell versorgen und mit Schildern, online und im Gespräch wird über alle wichtigen Maßnahmen informiert. So werden die Beschränkungen von den Kundinnen und Kunden sehr gut angenommen.

Darüber hinaus ist der Leo-Laden wirklich liebevoll eingerichtet; das Sortiment besteht vor allem aus frischen Waren wie Obst, Gemüse oder Brot; und so werden hier nicht nur Lebensmittel gerettet, sondern auch Menschen zusammengebracht und Gemeinschaft gelebt. Aktuell arbeiten hier 70 Prozent der Helfenden ehrenamtlich, um den Betrieb am Laufen zu halten – Schüler*innen, Studierende, Menschen im Home-Office oder in Kurzarbeit, die ihre freie Zeit spenden. Damit symbolisiert die Tafel für mich ganz außerordentlich den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft!

Trotz der auch finanziellen Unsicherheit und Sorgen als gemeinnütziger Verein darf die Tafel keine größeren finanziellen Rücklagen bilden und obwohl die Coronakrise auch sie hart trifft, macht die Tafel also weiter und zeigt damit auch in der Krise, was – gerade in Zeiten wie diesen – am wichtigsten für eine Gesellschaft ist: Mitmenschlichkeit, Zusammenhalt und Solidarität.

Damit sind die Tafeln für mich im besten Wortsinn systemrelevant! Die aktuelle #Coronakrise wirft dabei nur noch deutlicher ein Licht darauf, wie wichtig ihre Arbeit ist – und genau das wir dürfen wir als Gesellschaft auch nach der Pandemie nicht vergessen!

So möchte ich mich dem anschließen, was mir der Vorsitzende der Tafel, Uli Rabeneick und die Projektleiterin, Ingrid Poppe als vorrangiges Gefühl der Kundinnen und Kunden in den letzten Wochen berichtet haben: Ein riesengroßes „Danke, dass ihr noch geöffnet habt!“

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